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Warschau

Schlossplatz

Kulturpalast
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Warschau
von Malgorzata Omilanowska, Jerzy S. Majewski
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Baedeker
Reiseführer, Polen
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Warschau
im Blick
Warschau,
nach den Kriegszerstörungen wiederaufgebaut, ist ein wirtschaftliches
und kulturelles Zentrum. Ein Symbol der Hauptstadt ist das Königsschloss,
das zusammen mit der Altstadt, dem königlichen Weg sowie den Residenzen
in Lazienki und Wilanów das Hauptziel der Ausflüge darstellt.
Anreise/Verkehr
- Warschau
ist gut in das internationale Verkehrsnetz eingebunden. Zum internationalen
Flughafen Okecie gibt es regelmäßige Direktverbindungen von Berlin,
Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. Vom Flughafen
besteht ein Pendelverkehr ins Stadtzentrum. (Citybus 175 ins
Stadtzentrum und Richtung Altstadt, Bus 188 in Richtung des östlichen
Stadtteils Praga)
- Im Berlin-Warszawa-Express
dauert die Bahnfahrt ab Berlin sechs Stunden. 3 Verbindungen
täglich, außerdem je ein Nachtzug. Wichtigste Stationen sind der Bahnhof
Warszawa Centralna beim Kulturpalast und der Bahnhof Wschodnia im östlichen
Stadtviertel Praga. Von dort auch Verbindungen zu anderen polnischen
Städten.
- Etwas
beschwerlicher ist zurzeit noch die Anreise per Pkw. Doch die
knapp 600 km lange Strecke, die Berlin mit Warschau verbindet, soll
in den nächsten Jahren komplett als vierspurige Autobahn ausgebaut werden.
In der Innenstadt von Warschau ist das Parken tagsüber gebührenpflichtig.
- In Warschau
selbst gibt es ein dichtes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln. Dazu
gehören eine U-Bahnlinie, Straßenbahnen und Busse. Das Einzelticket
kostet 2,40 Zloty, das Tagesticket 7,20 Zloty, das Wochenticket 32 Zloty
(erhältlich in Zeitungskiosken und an Automaten).
- Taxifahrten
sind in der Regel preiswert. Da es keine vorgeschriebenen Tarife
gibt, Vorsicht vor schwarzen Schafen, die vor allem an touristisch interessanten
Plätzen auf Gäste warten. Unbedingt darauf achten, dass die Tarife von
außen gut sichtbar ausgehängt sind. Der Grundpreis tagsüber beträgt
zwischen 5 und 6 Zloty, der Kilometerpreis etwa 1,50 bis 2 Zloty. Seriös
sind Taxen, die einer Kooperative angehören und auf dem Dach deutlich
sichtbar die jeweilige Funknummer ( z.B. 96-22 oder 96-23) führen.
Sehenswürdigkeiten
- Die Altstadt
wurde als UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichnet. Der repräsentativste
Platz der Altstadt ist der große dreieckige Schlossplatz. Ursprünglich
wurde seine Südseite durch das Krakauer Tor begrenzt, von dem nur
noch eine gotische Brücke übrig geblieben ist. Die Ostseite
bildet die Westfassade des Königsschlosses (Zamek Królewski),
die Nordwestseite des Schlossplatzes wird von der Häuserfront der
Altstadt eingenommen. Unterhalb des Schlossplatzes verläuft seit
1949 der Ostwesttunnel Trasa WZ. In der Mitte des Platzes steht die
1643/44 aufgestellte Sigismundssäule (Kolumna Zygmunta).
Die Geschichte
des Königsschlosses reicht weit zurück, denn der Schlosshügel
ist seit über 8.000 Jahren bewohnt und eine erste Burg errichteten
die Herzöge von Masowien gegen Ende des 13. Jahrhunderts. Es
folgten weitere Umbauten der Gotik und Renaissance. Das jetzige frühbarocke
Gebäude mit dem 60 m hohen Uhrturm stammt aus den Jahren 1598
bis 1619. Der Flügel zur Weichsel dagegen aus dem Rokoko. Im
Inneren dominieren Elemente des Klassizismus. Das Schloss brannte
1939 während der Bombardierung Warschaus aus und wurde 1944 von
der Wehrmacht gesprengt. Nach dem Krieg blieb die Ruine bestehen und
wurde 1971–1988 aus Spendenmitteln originalgetreu rekonstruiert.
Östlich
unterhalb des Schlossplatzes neben dem Königsschloss befindet
sich der spätbarocke Palast unter dem Blechdach (Palac Pod Blacha),
der nach dem Material seines Daches benannt wurde. Denn dieser Palast
war das erste Gebäude in Warschau, das statt eines Schindeldaches
ein Blechdach erhielt. Er wurde von 1698 bis 1701 als Stadtresidenz
der Lubomirskis errichtet und im 18. Jahrhundert als Freimaurerloge
genutzt. Später diente er als Residenz des Königs Stanislaus
II. August und seines Neffen Józef Antoni Poniatowski. Der
Palast wurde nach dem Warschauer Aufstand niedergebrannt und 1948–1949
wiederaufgebaut.
Historischer
und geografischer Mittelpunkt der Altstadt ist der prächtige
Marktplatz (Rynek), in dessen Mitte die Skulptur der Flussjungfrau
Syrenka steht. Seit dem Mittelalter befand sich in der Mitte des Platzes
das Rathaus, das 1817 abgerissen wurde. Der Marktplatz selbst wurde
im 13. Jahrhundert auf einer Fläche von 90 × 73 Meter angelegt
und vor allem von Kaufleuten und Handwerkern bewohnt. Später
siedelten sich auch viele Künstler um ihn herum an. Der Großteil
der Patrizierhäuser wurde nach dem Stadtbrand von 1607 wiederaufgebaut,
wobei sich gotische Elemente vor allem in den Fundamenten erhalten
konnten. Die Sgraffitomalereien und die Polychromien an einigen Häusern
wurden nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg von Jan Seweryn
Sokolowski rekonstruiert. Dabei war die Ostseite, die auch Brass-Seite
genannt wird, am meisten zerstört, so dass einer Rekonstruktion
der Abriss einiger Fundamente vorausgehen musste. Dagegen blieb auf
der Nordseite, der Dekert-Seite, die meiste alte Bausubstanz erhalten.
In der ganzen Häuserzeile befindet sich das Museum der Stadt
Warschau. Besonders schön treten hier das Baryczka-Haus und das
Haus zum Negerlein hervor, dessen Renaissancefassade von Santi Gucci
stammt. Die West- oder Kolataj-Seite besticht vor allem durch eine
Neorenaissancewanduhr und das Haus zum Frieden und zur Gerechtigkeit.
Die berühmteste Ansicht des Marktplatzes bietet die Südseite
(Zakrzewski-Seite), die vom Turm der Jesuitenkirche überragt
wird. Besondere Beachtung verdienen hier das Haus zum Löwen und
die Sonnenuhr von Tadeusz Przypkowski. Die zwei Brunnen aus dem 18.
Jahrhundert wurden in den 1970er Jahren wiederhergestellt.
Vom Marktplatz
aus führen jeweils zwei Seitenstraßen in alle Himmelsrichtungen.
Die nördliche Ulica Nowomiejska (Neustädter Straße)
führt zur Barbakane, einer massiven Verteidigungsanlage auf einer
gotischen Brücke um das Neustädter Stadttor, die im 15.
Jahrhundert von Jan Baptysta errichtet wurde. Die prächtige Ulica
Swietojanska (Johannesstraße) führt nach Südosten
zum Schlossplatz.
An der
Straße befindet sich die Johanneskathedrale. Sie stammt aus
der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, wurde aber in den folgenden
Jahrhunderten umgebaut. Zuletzt wurde sie, dem Zeitgeist des 19. Jahrhunderts
entsprechend, im Stil der englischen Neugotik umgestaltet, wodurch
ihr historisches Aussehen zerstört wurde. Im Zweiten Weltkrieg
wurde das Bauwerk bis auf die Fundamente verwüstet, lediglich
der alte, niedrige Glockenturm blieb teilweise erhalten. Da die Kirche
von Grund auf rekonstruiert werden musste, entschied man sich, sie
als Neuschöpfung in Anlehnung an die Masowische Gotik neu erstehen
zu lassen.
Gleich
daneben steht die der Muttergottes geweihte Jesuitenkirche, die von
1609 bis 1629 im Übergangstil des Manierismus zum Barock erbaut
wurde. Außerdem ist das im Renaissancestil gehaltene Haus zum
Schiff eine weitere Sehenswürdigkeit an der Ulica Swietojanska.
Weitere repräsentative Bürgerhäuser, wie das Haus zu
den Tauben, Haus mit der Christus-Statue oder das Burbach-Patrizierhaus,
finden sich an den Straßen Ulica Szeroki Dunaj (Breite Donau
– ehemaliger Bach innerhalb der Altstadt), Ulica Waski Dunaj
(Schmale Donau), der Ulica Piwna (Bierstraße), der Ulica Brzozowa
(Birkenstraße) und der Ulica Rycerska (Ritterstraße).
An der Piwna-Straße befindet sich die 1356 erbaute Martinskirche
mit einem gotischen Chor und einer barocken Fassade. Steil zur Weichsel
hinab führt die malerische Ulica Kamienne Schodki (Steinerne
Treppengasse), die zum ehemaligen Weißen Tor führte. Der
Kanonikerplatz im Osten der Altstadt wird von manieristischen Bürgerhäusern
gesäumt, die ursprünglich dem Kanoniker Orden gehörten.
In seiner Mitte steht die 1646 gegossene Warschauer Erzglocke. Ein
besonders schöner Blick auf die Altstadt bietet sich vom Pragaer
Weichselufer.
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